Geplante Steuerreform
Mehr Netto ab 2027? Ab diesem Gehalt geht die Rechnung nicht auf
29.09.2026 – 13:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Bundesregierung verspricht Beschäftigten für 2027 eine steuerliche Entlastung. Doch auf dem Konto landet davon längst nicht bei allen etwas.
Wer 2027 auf mehr Netto vom Brutto hofft, erlebt womöglich eine unangenehme Überraschung. Die geplante Steuerreform von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) soll Arbeitnehmer entlasten, doch parallel steigen die Sozialabgaben. Unterm Strich bleibt ab einem Bruttogehalt von rund 6.000 Euro im Monat weniger übrig als 2026, wie Berechnungen des Verbraucherportals „Finanztip“ zeigen.
„Die Steuerreform sorgt bei geringen Einkommen zwar für eine kleine Entlastung. Bei höheren Einkommen kommt davon jedoch nichts an, weil die Sozialabgaben gleichzeitig stärker steigen“, sagt Jörg Leine, Steuerexperte bei „Finanztip“. „Viele Beschäftigte werden 2027 trotz Steuerreform weniger Netto haben.“
Bei Singles kippt die Bilanz bei 6.000 Euro
Das Verbraucherportal hat für verschiedene Musterfälle das voraussichtliche Nettogehalt 2027 mit dem Wert für 2026 verglichen – bei gleichem Bruttolohn. Für eine alleinstehende, kinderlose Person in Steuerklasse 1, ohne Kirchensteuer und gesetzlich krankenversichert, sieht es zunächst gut aus: Bei Bruttogehältern zwischen 2.000 und 5.000 Euro bleibt monatlich ein Plus von 7,41 bis 10,66 Euro.
Bei 6.000 Euro brutto dreht sich das Bild. Die Steuerbelastung sinkt hier zwar um 20,08 Euro im Monat, die Sozialabgaben steigen jedoch um 20,91 Euro. Macht 83 Cent weniger auf dem Konto. Ein überschaubarer Betrag, der mit steigendem Einkommen aber deutlich wächst: Bei 9.000 Euro brutto liegt das monatliche Minus bereits bei 41,24 Euro – rund 495 Euro im Jahr.
Der Grund für den Effekt sind die für 2027 geplanten höheren Beitragsbemessungsgrenzen. Sie legen fest, bis zu welchem Einkommen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie zur Renten- und Arbeitslosenversicherung fällig werden. Steigen diese Grenzen, zahlen Besserverdienende mehr, ohne dafür mehr Leistung zu bekommen.
Familie: Höheres Kindergeld reicht nicht
Auch Familien profitieren nicht automatisch. „Finanztip“ hat den Fall eines verheirateten Paares mit zwei Kindern durchgerechnet: Eine Person verdient 7.000 Euro brutto (Steuerklasse 3), die andere 3.000 Euro brutto (Steuerklasse 5). Zusammen sparen die beiden 2027 monatlich 36,50 Euro Steuern. Dem stehen 57,94 Euro höhere Sozialabgaben gegenüber. Das gemeinsame Netto sinkt damit um 21,44 Euro pro Monat.
Bleibt das Kindergeld, das 2027 von 259 auf 267 Euro je Kind steigen soll – für zwei Kinder also 16 Euro mehr. Doch selbst das reicht nicht aus, um das Minus auszugleichen. Am Ende stehen der Familie monatlich 5,44 Euro weniger zur Verfügung als 2026.
Ein Teil des Effekts geht laut „Finanztip“ nicht auf die Sozialabgaben zurück, sondern auf eine politische Entscheidung: Die Bundesregierung gleicht die kalte Progression erstmals seit elf Jahren nicht aus. Gehaltserhöhungen, die lediglich die Inflation ausgleichen, führen dadurch zu einer höheren Steuerlast.
